Arnold, Matthäus
1686 – 1768
1707-1768 Schulmeister und Mesner in Bonlanden um 1716-1723/26 Organist und Gerichtsschreiber Er wurde 1707 als Nachfolger des aus Oberesslingen stammenden Simon Nagel Schulmeister in Bonlanden und begründete damit die über 100jährige Schulmeisterzeit der Arnolds (vgl. auch Heimatbuch Bonlanden, hrsg. v. Heinz Erich Walter 1970 S. 139). Über die Tätigkeit der Schulmeister sind wir durch die Synodusprotokolle im Landeskirchlichen Archiv in Stuttgart und die Kirchenvisitationen im Staatsarchiv Ludwigsburg gut unterrichtet. Jährlich musste nämlich der Ortspfarrer einen Bericht über den Zustand der Gemeinde vorlegen und sich dabei auch über das den kirchlichen Organen unterstehende Schulwesen äußern. Der zuständige Dekan von Stuttgart führte dann eine Visitation durch und verfasste selbst einen Bericht für den Synodus, die oberste Visitationsbehörde, die jährlich 3 – 6 Wochen in Stuttgart tagte und auf Grund der eingegangenen Berichte General- und Spezialrescripte erließ. Die Berichte sind teilweise, ihre in die Synodusprotokolle eingetragenen Kurzfassungen fast ganz erhalten. Die an sich bestehende allgemeine Schulpflicht wurde damals nicht durchgesetzt. Man unterschied zwischen Sommer- und Winterschule (beginnend an Georgi bzw. Martini). Letztere war besonders zu Anfang der Tätigkeit von Matthäus wesentlich stärker besucht. 1711 waren z.B. 104 Schüler in der Winterschule und nur 41 Schüler in der Sommerschule. Auch schwankten die Schülerzahlen von Jahr zu Jahr sehr stark. Sie bewegten sich in der Zeit von 1709 – 1768 im Winter zwischen 73 (1741) und 120 (1749), meist lagen sie zwischen 85 und 100. Der Sommerschulbesuch schwankte zwischen 35 (1720) und 107 (1747 und 1749) mit einem Durchschnitt von 65 – 86 Schülern. Insgesamt stieg die Teilnahme am Sommerschulbesuch von 1709 bis 1747 langsam an, um dann bis 1768 wieder etwas zu sinken. Die Knaben wurden von den Eltern eher in die Schule geschickt als die Mädchen. Die Synodalrecesse beklagten ab 1742 in regelmäßigen Abständen den schlechten Schulbesuch. 1755 heißt es gar, daß die Schulkinder „auff den Bettel auslauffen“. Die Einwohnerzahl Bonlandens betrug z.B. 1746 534 Seelen. Matthäus war wie alle Bonlandener Schulmeister von Pfarrer, Schultheiß, Gericht und Rat angenommen worden. Vielleicht hat sich bei der kärglichen Besoldung kein gelernter Schulmeister von auswärts gefunden. Matthäus wurde dann zur Confirmation nach Stuttgart geschickt und vom Consistorium examiniert. Die dabei abzulegende Prüfung bestand etwa im Schreiben von ABC und einigen Worten, im Beantworten von Fragen aus dem Katechismus und im Singen. Eine Ausbildung der Lehrer gab es noch nicht. Es genügte, wenn der Bewerber im Schreiben und Lesen bewandert war, den Katechismus lehren und Choräle anstimmen konnte. Matthäus Arnolds Beurteilungen waren von Anfang seiner Tätigkeit an recht gut. Es hieß, dass er sich in officio et vite fleißig, wohl und unsträflich aufführe und ehrlich lebe. 1721 wurde vermerkt, dass er rechnen könne, was damals für einen Dorfschullehrer nicht selbstverständlich war. Erst seit 1729 gehörte Rechnen offiziell zu den Lehrfächern. 1736 hieß es sogar, er sei ein guter Arithmetikus. Ab 1740 sprachen die Beurteilungen nur noch von mittelmäßigen Gaben. Offenbar hatte einer der Visitatoren gewechselt. Dennoch wurde stets der Fleiß Arnolds gerühmt. 1740 wurde auch vermerkt, dass ein Provisor, Gehilfe, nötig sei, doch sei die Gemeinde nicht imstande, ihm etwas zu geben. Vom nächsten Jahr an bildete Matthäus seinen Sohn zum Schulmeister aus, was für ihn den Vorteil hatte, dass er besondere Ausbildungskosten für den Sohn und Ausgaben für die Anstellung eines Provisors ersparte. 1744 wurde vermerkt, dass er in der Schulzucht mehr zu scharf als nachlässig sei. Und 1750 meinte der Visitator, dass er Autorität bei seiner Jugend habe. Ab 1751 wurden die Schulqualitäten ordentlich bezeichnet. Zugleich wurde aber auf das Alter hingewiesen. 1760 hieß es, ist ein guter, ehrlicher Mann, der noch in der Schule tut, was er kann. Dass dies nicht mehr so viel sein konnte, wundert bei einem Alter von mehr als 75 Jahren nicht. Ab 1764 tat er keinen Dienst mehr, hatte aber noch die Schulmeister- und Messnerstelle bis zu seinem Tod inne. 1766, 67 wurde er ganz kindisch genannt. Der allgemeine Zustand der Schule war durchweg in Ordnung. 1763 hieß es, den Kindern werde wahre Gottesfurcht eingeprägt. In den Beurteilungen wurden die Äußerungen von Schultheiß und Rat erwähnt, die regelmäßig günstig lauteten. Allerdings hieß es einmal 1714, dem Magistrat nicht angenehm, weil er ihre Fehler hat helfen aufdecken. Die Winterschule dauerte 1744 täglich sechs Stunden. 1719 wurde die Sommerschule täglich vormittags drei Stunden gehalten. 1726 bis 1744 waren es nur zwei Stunden, wobei sich aus Einträgen 1731 und 1742 ergibt, dass um die Mittagszeit von zwölf bis zwei Uhr unterrichtet wurde. 1763 wurden sommers und winters fünf bis sechs Stunden ausgenommen an einem halben Tag gegeben. 1760 sollte nach einem Synodalrezess die Sonntagsschule für die aus der Schule Entlassenen auch im Winter eingeführt werden, doch scheint dies wegen Uneinigkeit zwischen Pfarrer Steinlin und dem Magistrat schon nach einem Jahr wieder aufgegeben worden zu sein. Nach der vom Pietismus geprägten Schulordnung von 1729 waren die Schulen nicht als eine Vorbereitung zum bürgerlichen Leben anzusehen, vielmehr sollten die Kinder vor allem zu einem rechtschaffenen Christentum geführt werden. Die religiöse Unterweisung, Beten, Bibellesen, Auswendiglernen und Hersagen von Sprüchen, nahmen daher einen breiten Raum im Unterricht ein. Die erste Stunde des Tages und der ganze Freitag waren dem christlichen Unterricht gewidmet. Daneben wurden Lesen, Schreiben, Rechnen und Singen betrieben. Nach der Schulordnung waren die Kinder im Unterricht in drei Klassen eingeteilt. Die erste Klasse bestand aus solchen, die anfingen zu buchstabieren, die zweite Klasse aus solchen, die buchstabieren zu Silben und Worten zusammensetzten, und die dritte Klasse aus solchen, die Lesen und Schreiben lernten. Innerhalb der einzelnen Klassen waren die Kinder nach ihrem Können in Rotten eingereiht. Als an Schulbüchern gab es im Wesentlichen ein ABC und ein Namensbüchlein, den Katechismus, das Neue Testament, eine Kinderlehre und das Gesangbuch. Der Schulmeister hatte vor allem dafür zu sorgen, dass die Kinder sich fromm, züchtig, sittsam und ordentlich aufführten. Großes Gewicht legte der Pietismus auf die Persönlichkeit des Lehrers. Die Schulaufsicht war recht genau, so hieß es 1726, 1731, der Pfarrer komme fast täglich in die Schule. Die Schulvisitationen wurden durch Pfarrer, Schultheiß, Bürgermeister und die zwei heiligen Pfleger vorgenommen. aus: Die Familie Arnold aus Bonlanden auf den Fildern von Jürg Arnold, Stuttgart 1975
Ehe
- Arnold, Anna Maria geb. Bosch1691 – 1755
Kinder
- Arnold, Anna Maria Agnes1713 – 1713
- Anonymus1722 – 1722
- Arnold, Ludwig Adam1726 – 1726
Arnold, Matthäus1728 – 1800- Anonymus1711 – 1711
- Briem, Eva geb. Arnold1715 – 1781
Lebenslauf
- 20.12.1686 Geburt Bonlanden
- 16.04.1709 Heirat mit Arnold, Anna Maria geb. Bosch Bernhausen
- 09.05.1711 Geburt von Anonymus Sielmingen
- 13.02.1713 Geburt von Arnold, Anna Maria Agnes Bonlanden
- 28.04.1715 Geburt von Briem, Eva geb. Arnold Bonlanden
- 11.09.1722 Geburt von Anonymus Bonlanden
- 06.03.1726 Geburt von Arnold, Ludwig Adam Bonlanden
- 25.04.1728 Geburt von Arnold, Matthäus Bonlanden
- 21.02.1768 Tod Bonlanden